Sex-Bewusstsein von Beatrice Poschenrieder

Der Untertitel „So finden Sie die erotische Erfüllung“ macht neugierig, aber auch hier gibt es laut Autorin kein Universalrezept.

Ein erfahrener Partner, ein besonders tabuloser Partner oder ein Partner den wir lieben ist kein Garant für ein erfülltes Sexualleben.

Liebe, Erfahrung oder Hemmungslosigkeit können gute Zutaten für guten Sex sein, aber ob der Sex wirklich gut ist hängt ausschließlich davon ab wie gut der „individuelle Sexstil“ der Partner zueinander passt.
Die Autorin beschäftigt sich mit der Psychologie von Sex , guter Sex findet dann statt wenn das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele beim Sex ideal funktioniert.
Der Mensch soll auf sich selbst schauen, was will ich und was will ich nicht beim Sex und weiß mein Partner das auch?
In dem Buch geht es darum, dass Frauen und Männer ihre erotischen Wünsche und Grenzen liebevoll aber klar gegenüber ihren Partnern definieren.
Grundtenor des Buches ist, dass jeder das Recht auf eine erfüllte Sexualität hat, kann er mit seinem aktuellen Partner keine ausreichende gemeinsame Basis finden die beide erfüllt, kann das auch heißen das man grundsätzlich einfach nicht zusammen passt.

Niemand muss ein schlechtes Gewissen haben, weil er ein Grundbedürfnis befriedigt.
Das Bedürfnis nach erfüllter Sexualität ist nicht minderwertig, sondern steht gleichberechtigt neben dem Bedürfnis nach Liebe, Geborgenheit, Nahrung und Anerkennung. Die Autorin beschäftigt sich ausgiebig mit vielen Fallbeispielen, bei denen mangelnde Kommunikation oder sexuelle Kompatibilität zu großen Beziehungsproblemen geführt hatte.
Auch bei diesen Beispielen wird häufig klar, dass die Lösung nicht immer mit einer Therapie zu erreichen ist, manchmal führt die nähere Beschäftigung mit der Erotik in der eignen Beziehung zu der Erkenntnis das man einfach nicht oder nicht mehr zusammen passt.
Für Paare die mit ihrer Sexualität zufrieden sind und ein ausreichend ausgeprägtes Sex-Bewusstsein besitzen, ist dieses Buch zu langatmig mit zu vielen Fallbeispielen gefüllt.
Für Paare die aufgrund ihrer Erziehung, ihrer Verlustängste, ihres mangelnden Selbstvertrauen oder Selbstbewusstsein „erotisch aneinander vorbei leben“ kann dieses Buch eine Initialzündung auf dem Weg zu einer erfüllteren erotischen Beziehung sein.
Eine sexuell erfülltere Partnerschaft kann man nur gemeinsam erreichen, dazu gehört die Anerkennung der sexuellen Bedürfnisse und Grenzen des Partners
Eine erfüllte Sexualität hat auch etwas mit einer entspannten Grundhaltung und dem nötigen Selbstbewusstsein zu tun.
Sex kann auch mal mittelmäßig sein oder daneben gehen, er ist nicht immer grandios und überwältigend, schon gar nicht innerhalb einer jahrelangen Partnerschaft.
Hingabe sollte dabei nicht mit Hemmungslosigkeit verwechselt werden, man sollte sich selbst immer treu bleiben und die eigenen Grenzen respektieren.
Das sollte der Partner allerdings auch, wenn er einen liebt.
Die Grundlage hierfür ist allerdings, dass er sie auch kennt.
Die meisten Partner artikulieren ihre eigenen erotischen Wünsche und Grenzen nicht oder bleiben dabei unklar aus Angst abgelehnt oder nicht mehr geliebt zu werden.
Solange wir es nicht schaffen miteinander zu reden aus Angst den anderen zu verletzten „weil man ein Defizit“ benennt oder als minderwertig zu gelten, da „triebgesteuert“ werden wir in unseren erotisch unbefriedigenden Beziehungen nichts verändern.

erschienen bei Rowohlt