Korsett, falsch Korset

Als Korsett (von frz. corset, ursprünglich Diminutiv von altfrz. cors „Körper“) wird ein steifes, zur Unterkleidung gehöriges versteiftes Kleidungsstück bezeichnet, das eng am Oberkörper anliegt und diesen der jeweils geltenden Modelinie entsprechend formen soll. Die verschiedenen Versteifungstechniken wandelten sich im Laufe der Geschichte.

Geschichte

Die Geschichte des Korsetts begann in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu dieser Zeit entwickelte sich das Korsett aus versteiften Miedern.

Die spanische Hoftracht um 1600 vorherrschend, erforderte in Korsett, das den Oberkörper zu einem Konus formte und die Brust flachdrückte. Ungefähr 1640 entwickelte sich daraus eine konische Korsettform, die aber die Brust nicht mehr flachdrückte, sondern hochhob. Diese Form blieb mit wenigen Veränderungen bis zur Französischen Revolution gültig.

Zu diesem Zeitpunkt wurde das Korsett noch als Mieder, Schnürleibern oder Schnürbrüsten bezeichnet.

Als Versteifungsmaterial dominierte bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts Fischbein, auch wenn im Lauf des späten 19. Jahrhunderts Korsettstäbe aus Federstahlband, Stahlspiralen und Horn erfunden wurden.

Unter dem Einfluss des Dandytums um ca. 1820–50 trugen häufig Männer Korsetts.

Zwischen 1840 und 1870 entwickelte sich die Sanduhrform, die auch heute noch als die klassische Korsettform gilt: Relativ große Ober- und Hüftweite bei möglichst kleiner Taillenweite. Bis um 1870–85 wurden die Korsetts nach unten hin länger, so dass sie auch Hüfte und den Bauch formten, der bei den früheren Korsetts hervorquoll.

Gegen 1900 entwickelte sich das S-Korsett, das die Brust raus- und den Bauch reindrückte und damit eine unnatürliche Haltung erzwang. Um 1910 wurde dieses S-Korsett durch Unterbrustkorsetts abgelöst; um 1913–15 gerieten Korsetts im Zuge der stärker werdenden Frauenbewegung und sprunghaft zunehmender Berufstätigkeit von Frauen (wegen des Ersten Weltkrieges) vollends aus der Mode.

Gesundheitsreform und Kleiderreform

Im Laufe der Geschichte des Korsetts warnten Ärzte zunehmend vor dem schädlichen Einfluss der Schnürbrust. Ein frühes Schnüren schon in der Jugend verforme den Knochenbau und ein übertriebenes Engschnüren würde die inneren Organe komprimieren und verlagern. Wie gesundheitsschädlich das Korsett wirklich war, hängt sicherlich von dem Ausmaß der Schnürung ab und ob Veränderungen tatsächlich eintraten ist nicht belegt.

Auf die Mode blieben diese Warnungen lange ohne Einfluss. Häufig bekamen Mädchen ihre erste Schnürung im Alter von 12 bis 14 Jahren, manchmal wurden sogar schon Kleinkinder in schnurgesteifte Mieder gesteckt um eine entsprechende Verformung des Skeletts zu erreichen.

Erst die Kritik und Forderungen der Frauenbewegung im Verlauf des 19. Jahrhunderts reformierten die Frauenbekleidung. Diese schlug entsprechend ins Gegenteil um, so waren bis um 1910 „Reformkleider“ regelrecht sackartig, als ob eine elegante Linie ohne Korsett nicht vorstellbar wäre.

Erst mit den Modeschöpfern des Art Déco, wie Gabrielle „Coco“ Chanel, entwickelte sich ab etwa 1912 eine elegante figurbetonte Modelinie, die auch ohne Korsett auskam. Seit den 1920er Jahren wurden Korsetts fast nur noch zu erotischen Zwecken, als sexueller Fetisch oder unter historischen Kostümen im Theater getragen

Heute

Heute sieht man das Korsett vor allem in der Schwarze Szene, insbesondere die Gothic-Subkultur und dem BDSM-Bereich.

Anfang der 1990er Jahren wurde das Korsett wieder mehr und mehr salonfähig. So haben Vorbilder wie die Pop-Ikonen Madonna in der Musikszene oder Claudia Schiffer in der Modewelt den Weg geebnet für die heutige breitere Verwendung von Korsetts. Auch in der Medizin findet das Korsett Anwendung und helfen bei schwachen Bauchdecken sowie Wirbelsäulen-Erkrankungen wie Skoliose und Kyphose.