FETISCH ODER FETISCHISMUS und Fetischkleidung

Der Begriff Fetisch oder Fetischismus  (lat. Facticius, nachgemacht, künstlich, franz. Fétiche, Zaubermittel) bezeichnet entweder die Verehrung bestimmte Gegenstände im Glauben an übernatürliche Eigenschaften (religiöser Fetischismus), eine Form von Sexualität (sexueller Fetischismus) oder im Marxismus die Verkehrung eines gesellschaftlichen Verhältnisses in einem Verhältnis von Waren (Warenfetisch).

Sexueller Fetischismus

Als sexueller Fetischismus wird in der Regel ein von der aktuellen definierten Norm abweichendes sexuelles Verhalten bezeichnet, bei dem ein meist unbelebter Gegenstand, der sogenannte Fetisch, als Stimulus der sexuellen Erregung und Befriedigung dient. Das fetischistische Verhalten kann sich auf einen einzelnen oder mehrere Objekte, Materialien oder Körperteile beziehen. Der Begriff wird sowohl therapeutisch als auch umgangssprachlich sehr unterschiedlich verwendet. Hierbei ist ausschlaggebend ob der sexuelle Fetischismus gleichberechtigt mit anderen sexuellen Vorlieben steht, sexuelle Präferenz ist oder ob eine behandlungsbedürftige Störung des Sexualverhaltens, eine Paraphilie, vorliegt. In der sexualtherapeutischen Diagnostik oder Psychoanalyse wird der sexuelle Fetischismus dann als behandlungsbedürftig angesehen, wenn der Fetisch die partnerschaftliche Sexualität vollständig ersetzt, die sexuelle Befriedigung ohne den Fetisch sehr erschwert  ist oder unmöglich wird und beim Betroffenen ein entsprechender Leidensdruck entstanden ist.

Formen des Fetisch

Grundsätzlich kann jeder Gegenstand zum Fetisch werden, außer Objekt wie Sexspielzeuge, die schon für den Gebrauch für den Sexualakt bestimmt sind. Viele Kleidungsstücke, wie die unter Reizwäsche zusammengefassten erotischen Dessous und besitzen eine allgemeine erotische Komponente ohne speziell als Fetischobjekt zu dienen. Auch ist die getragene Wäsche des Partners, die zur Steigerung der sexuellen Erregung dient, durch den Bezug auf eine bestimmte Person nicht zwangsläufig als fetischistisches Objekt zu verstehen. Ein Gegenstand wird dann zum Fetisch, wenn er die vom Fetischisten bevorzugte Erscheinung hat oder aus einem bevorzugten Material besteht z. B rote geringelte Tennissocken aus Baumwolle. Ob die Erregungssteigerung alleine durch die Optik oder auch ergänzend durch die Haptik (Fühlbarkeit) oder den Geruch eines Gegenstandes erreicht wird ist bei jedem Fetischisten unterschiedlich. Fetische können sich im Laufe der Zeit ändern, hierbei kann sich der vorhandene Fetisch abwandeln oder es kommen neue Fetische dazu. Ein Fetisch verschwindet ohne äußere Einflüsse wie sie z. B. eine therapeutische Behandlung nicht oder entwickelt sich zurück.

Die häufigsten Fetische sind  Kleidungsstücke wie Strümpfe, Strumpfhosen, Unterwäsche, Schürzen, Sportkleidung, Uniformen, Regenkleidung, Schuhe etc. dabei ist es bei manchen Fetischisten entscheidend ob das Kleidungsstück getragen worden ist oder nicht bzw. wer der Vorbesitzer war. Seltener sind Objekte wie Gipsverbände, Prothesen oder Orden ein Fetischobjekt.

Ist das Objekt aber nicht das Material für den Fetischisten austauschbar, spricht man von einem Materialfetisch. Typische Materialien für einen Materialfetisch sind Stoffe wie Leder, Pelze, Wolle, Mohair, Seide, Nylon, Satin, Lycra, Lack, Latex und Gummi.
Bezieht sich der Fetisch auf einzelne Körperteile wie Füße, Beine, Haare, Pobacken, Busen, Achselhöhlen oder Ohren, bezeichnet man die dazu gehörigen Praktiken als Body worship.

Wodurch entsteht ein Fetisch?

Hierzu gibt es bis heute keine wirkliche Erklärung. Einige fetischistische Neigungen scheinen
sehr früh im Leben eines Menschen durch Konditionierung oder Prägung zu entstehen  andere wiederum sind an später stattfindenden konkreten Ereignissen festzumachen.  Auch über den Verbreitungsgrad des Fetischismus und den jeweiligen Anteil in der Bevölkerung ist wenig bekannt. Grund hierfür sind die problemlose Integration vieler Fetische in die partnerschaftliche Sexualität, der seltenen Therapierung von Fetischismus und der unterschiedlichen Bewertung der sexuellen Kontakte in der heutigen Gesellschaft.