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Wie tolerant sind wir wirklich?

Wenn man die Frage stellt „Wie tolerant man sei?“ wird sicher jeder antworten:“Ich bin sehr tolerant“, weil tolerant zu sein ist nun mal eine Eigenschaft die als gut und vorzeigbar gilt und mit der wir uns alle gerne schmücken.

Aber wie tolerant sind wir wirklich, da stört uns der herüberragende Ast des Nachbarn oder der Grillgeruch genauso, wie das Reinigen mit dem Hochdruckreingier oder das ständige Zuparken des eigenen Autos. Wie schnell verurteilen wir das Andersartige als das „Abartige“, weil es nicht der gesellschaftlich akzeptierten Norm entspricht oder uns persönlich das Verständnis dafür fehlt, wir es nicht nachvollziehen können.
Mal ehrlich es ist doch so, dass den meisten alles Angst macht was ihnen fremd ist. Es bedroht das eigene Verständnis von der Welt in der wir uns nur wirklich sicher fühlen, wenn wir uns mit Ritualen, gewohnten Alltagsabläufen und vertrauten Menschen umgeben.

Wenn wir jung sind ist alles spannend, wir freuen uns auf neue Menschen, entdecken neue Hobbys, finden unsere eigene Form von Sexualität und probieren vieles aus. Alles neue und unbekannte wird als Bereicherung unseres Lebens betrachten und mit Spannung und Vorfreunde ohne Vorbehalte entdeckt. Im Laufe des Erwachsenenwerdens prägt uns die Meinung unserer Eltern, unseres Freundeskreises und unseres Arbeitsumfeldes zunehmend und wir gehen nicht mehr unvoreingenommen auf etwas Neues zu.

Wir beginnen uns zu positionieren und eine eigene Meinung zu entwickeln zu allem was uns umgibt, dass ist völlig natürlich, solange unsere Meinung nicht statisch und unflexibel ist. Aber dass ist leider nicht so, besonders im Bereich Sexualität haben wir eine häufig sehr eingeschränkte Toleranz bezüglich sexueller Spielarten. Sehr schnell hört man dann die Aussage „Der oder Die oder Das sein ja pervers“ oder
„so etwas tue ein anständiger Mensch nicht“. Wovor haben wir eigentlich eine solche Angst?

Das wir uns mit unserer eigenen Sexualität an dem „neuen Gesamtangebot“ messen müssen, wenn alle sexuellen Spielarten gesellschaftlich akzeptiert würden? Das vielleicht unser Partner von uns etwas verlangen könnte, zu dem wir selbst nicht bereit sind? Oder das wir von unseren Partnern „Verstoßen“ werden, wenn wir unseren heimlichen sexuellen Phantasien offenbaren.

Hier geht es nicht darum alle Tabus zu brechen!

Aber warum soll der Mann der es nun mal liebt von seiner eigenen Frau wie ein Baby in Windeln gelegt zu werden oder eine Frau die es liebt von ihrem Mann gefesselt zu werden dies nicht tun dürfen? Vielleicht sollten wir einfach mal öfters den Ausspruch üben: “Jeder soll machen was er möchte, solange er keinen anderen schadet“ und mal wieder neugierig über den Tellerrand gucken auch in Bezug auf die eigene Sexualität.

Google+ Autorin Claudia Sehl