LET´S TALK ABOUT Folge 38

Stutenbissigkeit – oder warum machen wir uns Frauen es gegenseitig so schwer?

Warum machen wir Frauen uns das Leben untereinander so schwer?

Für welches Lebensmodell wir uns auch entscheiden, wir können sicher sein, dass mindestens 50 Prozent der Frauen unsere Entscheidung in Frage stellen.

Hat sich die Frau für die Vollzeitmutterschaft entschieden, dann hört sie von vielen in Vollzeit Berufstätigen, dass sie sich Zuhause ein bequemes Leben macht. Die Vollzeitberufstätigen, die auf Kinder verzichten, müssen sich von den Hausfrauen sagen lassen, dass sie einfach nur zu egoistisch für die Familiengründung seien.

Frauen, die weder auf Familie noch auf Beruf verzichten wollen oder können, denen bläst der Wind sogar von beiden Seiten entgegen. Die können sich halt nicht entscheiden, machen ja sowieso alles nur halbherzig oder unzureichend. Die „armen Kinder" heißt es da sehr vorschnell.

Ich glaube wir Frauen fühlen uns von Frauen, die ein anderes Lebensmodell gewählt haben einfach schnell bedroht und sehen uns genötigt unsere Wahl zu rechtfertigen und zu verteidigen.
Die Vollzeit-Berufstätige, die Karriere macht und aus diesem Grund auf Kinder verzichtet, hat vielleicht sehr viel geleistet um dorthin zu kommen, wo sie jetzt steht und möchte das Erreichte nicht wieder aufgeben und unabhängig bleiben.
Die Hausfrau, die sich entschieden hat nur Mutter zu sein, glaubt nur als Vollzeitmama könne sie ihren Kindern die ideale Betreuung und Förderung bieten.
Wenn dass aber nicht stimmt und auch eine berufstätige Frau eine gute Mutter sein kann, dann fehlt der Vollzeitmütter natürlich die Rechtfertigung Zuhause zu bleiben.
Vielleicht ist ja die berufstätige Mutter sogar die glücklichere Frau, weil sie vielleicht mehr Bestätigung und Anerkennung im Beruf bekommt.
Die bekommen Hausfrauen leider sowohl von der Familie als auch von der Gesellschaft nur selten, da was nicht bezahlt wird auch häufig weniger wert ist.
Die Frauen, die es schaffen beides unter einen Hut zu bringen und dabei noch gut aussehen, sind uns sowieso suspekt.
Die sind dann halt reich und haben Personal, anders geht dass ja nicht oder?
Denn wenn es möglich wäre beides zu schaffen, dann müssten wir uns als Vollzeitmutter oder Karrierefrau ohne Kinder fragen, warum wir es selbst nicht schaffen. Wir fühlen uns dann minderwertig und so will sich niemand fühlen.
Aber warum müssen wir die Frauen, die sich anders als wir entscheiden immer abwerten um mit unsere Wahl zufrieden sein zu können?
Wenn man ehrlich ist, neidet man im stillen Kämmerlein doch der Anderen die Kinder oder die Karriere ein bisschen und das ist auch o.k. so.

Keine Entscheidung hat nicht auch ihre Schattenseiten!
Warum können wir nicht die Lebensentscheidungen gleichwertig nebeneinander stehen lassen. Es ist genauso wertvoll 3 charakterstarke selbständige Kinder in die Welt zu entlassen wie Karriere zu machen.
Leben und leben lassen heißt hier die Devise.

(c) Claudia Sehl