Let´s talk about 9

Die Angst davor in ein Erotikgeschäft zu gehen

Jeden Tag sehe ich unzählige eindeutig interessierte Kunden vor meinem Schaufenster, die sich nicht trauen hinein zu kommen.

Lange betrachten Sie das Schaufenster, schauen ins Geschäft und nehmen sich dann verschämt schnell einen Flyer aus den Aushängekästchen, während sie sich schnell noch umsehen, ob Sie auch hoffentlich keiner dabei beobachtet hat. Ich gestalte mein Geschäft offen, hell und edel um mich von den üblichen „Sexshops“ abzugrenzen und den Kunden die Hemmungen zu nehmen, aber es ist nicht einfach.
Ich lege einmal eine mit Strasssteinen besetzte Gerte ins Schaufenster und höre sofort von vorbeikommenden Passanten „das mein Geschäft wohl ein SM-Shop sei“ auf die Frage des andern „Was denn SM sei?“ antwortete der Erste dann wieder „ na da verhaut der Eine den Anderen“.
Wenn ich im Schaufenster Lack oder Leder präsentiere, lande ich sofort in der SM oder Fetischecke.

Na ja das Kind muss halt für alle einen Namen haben, wir müssen alles in irgendwelche Schubladen sortieren. Ich bin ja schon froh, wenn mein Geschäft nicht banal als Sexshop bezeichnet wird. Aber wie würde ich mein Geschäft denn selbst benennen hmmmm.... Eine Boutique für exklusive Club- und Fetischmode, Dessous, Underwear und erotische Accessoires ist ziemlich lang oder? oder vielleicht Boutique für Erotiklifestyle? Wenn ich die Tür öffne ist es für Viele anscheinend leichter, als ob ihr Mut für den letzten Teil „das Öffnen der Tür“ nicht mehr ausreicht. Schade denke ich so oft, denn die Neugierde und das Interesse ist doch da.

Naja nur der Mut fehlt halt.

Die sich reingetraut haben, sprechen aber häufig nicht darüber, zu intim ist das Thema für die meisten Menschen. Die erotisch aufgeschlosseneren Paare und Singles haben da weniger Probleme über ein schönes neues Erotik-Geschäft zu sprechen oder es weiter zu empfehlen. Der klassische Kunde hingegen wird wohl kaum beim nächsten Brunch unter Freunden über das tolle neue Erotik-Geschäft sprechen in dem er war. Wer will schon von den peinlich berührten Freunden gefragt werden „was man denn so gekauft habe“ oder „ob man es denn nötig hätte“.

Selbst wenn der Eine oder Andere Interesse hätte, würde er niemals öffentlich über so ein intimes Thema sprechen. Na ja auch im Jahre 2012 sind wir alle doch wohl noch nicht so entspannt, locker und tolerant, wie wir es gerne wären oder vorgeben zu sein. Dabei ist das Thema erfüllte Erotik für die Beziehung genauso wichtig, wie Liebe, gemeinsame Lebensentwürfe und Interessen. Der Mensch ist nun mal ein Wesen was Input braucht, neue Reize, Überraschungen und Inspiration von außen um die Spannung (auch die erotische) in einer langjährigen Beziehung zu erhalten.

Deshalb traut Euch und lasst Euch bei tentadora sinnlich inspirieren!

Google+ Autorin Claudia Sehl